Leben als Salesianer
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Spurensuche macht Freude

Pater Christian Vahlhaus SDB (41) leitet das Jugendhilfezentrum Don Bosco der Salesianer im osthessischen Sinntal-Sannerz. In einer Kolumne für die Kirchenzeitung "Kirche und Leben" des Bistums Münster beantwortet er die Frage, warum die Welt ihn als Ordensmann braucht.

Es gibt das alte Bild von Ordensleuten, die gleich den alten Wüstenvätern sich aus der Welt zurückziehen. Als Salesianer Don Boscos verwirklicht sich jedoch meine Berufung inmitten der Welt; in ihr will ich die Spuren suchen, die Gott mitten in das Leben von jeder und jedem von uns – also nicht nur im Ordensmann – hinein gezeichnet hat, damit wir IHN finden. Das ist richtig spannend und macht Freude, wie jede Spurensuche Freude macht, vor allem dann, wenn man auch „findet“. ER lässt sich gerne finden, wenn wir ihn suchen. Gerade hier liegt die besondere Berufung für mich als Ordensmann.

Die Welt braucht mich und ich brauche die Welt, diese wunderbare Schöpfung Gottes. Die Welt ist voll von wertvollen, oft kleinen Dingen, die entdeckt werden wollen, weil uns Gott durch diese Welt, durch seine Schöpfung anschaut und anspricht. Gott in der Welt entdecken und ihn sichtbar und begreifbar zu machen – besonders unter den jungen Menschen - darin liegt meine Aufgabe.

Ich entdecke täglich so viel Schönes und Wertvolles, in dieser Welt; ganz wertvolle Menschen, die viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit füreinander haben. Die Freundschaft und Zuneigung, die Menschen füreinander empfinden, aber auch die Sehnsucht nach wahrer Liebe und Beziehung – gerade bei Jugendlichen, all das ist Zeichen der Liebe Gottes und all das finde ich in dieser Welt.

Ich entdecke auch viel Verfügbarkeit und Hilfsbereitschaft, etwa in Ausbildungszentren, Krankenhäusern, Familien… Immer wieder staune ich ob der vielfältigen Mitmenschlichkeit und Wärme. Das alles ist für mich Hinweis für Gottes Liebe, die ich als Ordensmann verkünden, erfahren und leben darf. Weil ich all das Schöne und Gute sehe, nehme ich umso schmerzlicher auch das Negative und Bruchstückhafte wahr.

Die Welt braucht mich auch als Ordensmann, weil ich nicht will, dass Negatives die Oberhand hat, denn das stimmt ja auch nicht. Gott ist die Liebe und wir leben aus dieser Liebe. Natürlich ich sehe auch, dass es Schlimmes und Böses gibt, aber es dominiert nicht. Ich erlebe so viel Gutes: Vertrauen in den Beziehungen, menschliche Hilfe und Bereitschaft, füreinander da zu sein.

Ich erlebe in dieser Welt auch lebendige Kirche, lebendige Glaubensgemeinschaft; etwa in der Hauskirche (der Familie), in den vielen Kinder- und Jugendheimen, wo die Kinder in ihrer oft dunklen Nacht ein Licht sehen, dass ihnen durch gute und liebende Menschen gezeigt wird, durch Ordensmitbrüder, wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Geiste Don Boscos.

Auch unsere Einrichtung in Sannerz ist „Welt“ mit all ihren verschiedenen Angeboten für junge Menschen, damit ihr Leben gelingt. Aber ich sehe in dieser Welt auch das Zerbrechliche, das Schwache, das in sich einen guten und gesunden Kern hat. So betont es Don Bosco, dass eben in jedem jungen Menschen dieser wirklich gute Kern zu entdecken gilt.-Solche Menschen mit dieser hoffnungsvoll frohen und positiven Sicht braucht die Welt. Jesus ist uns darin Vorbild: „Das geknickte Rohe zerbricht er nicht“.

Und wie oft entdecke ich bei „den Kindern der Nacht“ diesen wertvollen Kern verborgen unter der oft verletzlichen und verletzten Schale. Welt bedeutet für mich auch Hoffnung: Ich kann mithelfen, dass sie dort, wo ich leben darf, ein wenig menschenfreundlicher wird, ein wenig erfüllter mit Hoffnung und Freude. Ich freue mich über jedes Kinderlächeln, über das Strahlen ihrer Augen gleich dem Sonnenschein. Ich kann auch die Dunkelheiten der Einsamen und Kranken annehmen, wenn ich dann nur ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit und Nähe schenken kann. Da bekomme ich so viel zurück!

Die Konstitutionen der Salesianer Don Boscos beschreiben unsere Berufung so, dass wir in der Welt „Zeichen und Botschafter der Liebe Gottes zu den Menschen, besonders zu den jungen Menschen" sein dürfen.

Deshalb braucht mich die Welt.